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Rennbericht Le Mans 2005 Drucken
Sonntag 14.00 Uhr; Le Mans; Bugattiring:

Die Sonne brennt gnadenlos vom wolkenlosen Himmel. Eigentlich das ideale Wetter um gemütlich im Schatten zu liegen und zu dösen, aber garantiert nicht, um auf einer schattenlosen Rennstrecke mit den Skates neuen Rekorden nachzujagen.

Mit jeder Runde wächst der Hügel hoch zur Dunlopbrücke um ein paar Meter, wird die Steigung immer größer, steigt die Lufttemperatur um ein paar Grad, werden die Skates immer schwerer, die Blasen an den Füssen immer größer und schmerzhafter, die gefühlten Rundenzeiten immer länger und der innere Schweinehund quält dich immer penetranter mit der Frage – weshalb tust du dir die Quälerei eigentlich an?

Ja weshalb eigentlich? Was ist der Mythos von Le Mans der dazu führt, dass man eine Anreise von 13 Stunden und anschließend 24 Stunden Quälerei in Kauf nimmt?

Gentlemen start your engine! Die Fahrer sprinten auf die gegenüberliegende Straßenseite zu ihren Rennwägen und das legendäre 24h Rennen beginnt. Dieses Bild aus den 50er Jahren prägt den Mythos von Le Mans. In Anlehnung an diese Tradition starten heute auch die Inlineskater ihr 24h Rennen.

Maximal 10 Skater bilden ein Team, die Startaufstellung wird durch einen 400m Sprint ermittelt. Der Startläufer jedes Teams rennt in Socken quer über die Rennbahn, zieht so schnell wie möglich die Skates an und startet den Staffellauf, welcher dann erst 24 Stunden später endet.

Im Vorfeld wird schon die vermeintlich beste Renntaktik heiß diskutiert. Wer wechselt auf wen, was sind die optimalen Wechselintervalle, wie groß sollten die Ruhepausen sein? Mit dem Startschuss entwickelt sich eine pure Rennatmosphäre. Adrenalin jagt nicht nur durch die Adern man kann es förmlich riechen. Die Rundenzeiten jedes Einzelnen werden mit der Stoppuhr ermittelt, akribisch im Rennbuch notiert, die erwartete Ankunftszeit des Teammitgliedes im Minutentakt angekündigt. Der Rückstand zum vor uns liegenden Team und der Vorsprung zum hinter uns liegenden Team stündlich von der großen Anzeigetafel abgelesen. Jedes mal beim Staffelwechsel die prüfenden Blicke des Teamkollegen., ist der Chip dran, der Helm auf. In der Masse der Skater taucht dann der Teamkollege auf, ein kurzer Zuruf oder Wink, der Teamkollege sprintet los, der Staffelstab wird übergeben und der Nächste entschwindet Richtung Dunlopbrücke aus dem Blickfeld. Eine Prozedur die sich nun für die nächsten 24 Stunden alle 7 bis 8 Minuten wiederholen wird.

Bei 600 Teams und knapp 6000 Teilnehmer herrscht nicht nur in der Boxengasse sondern auch im kompletten Start-Zielbereich ein emsiges Treiben. Rollen werden gewechselt, Lager gereinigt und neu geölt, Beine und Rücken werden massiert, einige fahren sich auf Standfahrrädern für die nächste Runde warm, andere wiederum ruhen sich in mitgebrachten Hängematten aus, die wie Schwalbennester an den Boxenwänden kleben. Hektische Aktionen gibt es jetzt nur noch dann, wenn ein Skater seinen Wechselpartner nicht findet.

Gegen Abend kommt immer mehr Routine in die Wechselaktionen. Auch die ersten Anzeichen von Müdigkeit reduzieren die Betriebsamkeit. In der Nacht kommt dann eine ganz andere Atmosphäre in der nun beleuchteten Rennstrecke auf. Eine eigentümliche Ruhe hat sich auf die Rennstrecke gelegt. Der Anstieg hoch zu der in blau angestrahlten Dunlopbrücke mit dem gelben Mond im Hintergrund gibt ein geradezu surrealistisches Bild wieder. Es wirkt wie ein Himmelstor durch welches man hindurchschwebt um anschließend von einem leuchtenden Lindwurm zurück zur Boxengasse geführt zu werden. Der Sonnenaufgang bringt dann das ursprüngliche Leben wieder zurück. Die Rennpausen haben kaum Erholung gebracht, was sind schon 2 Stunden Schlaf bei der Anstrengung die hinter einem liegt. Das ersehnte Rennende rückt jedoch immer näher. Die letzten Kraftreserven werden mobilisiert, die letzte eigene Runde herbeigesehnt.

Die Rennatmosphäre steigert sich dann die letzten 20 Minuten dann nochmals. Die Boxengassen sind nun geschlossen, kein Wechsel ist mehr erlaubt. Alle Teammitglieder und Betreuer stehen auf der Boxenmauer und treiben die Skater unter frenetischem Beifall in ihre letzten Runden. Die letzten 10 Sekunden des Rennens werden aus 6000 Kehlen lautstark heruntergezählt. Endorphine breiten sich aus und lassen die Schmerzen und Qualen schnell vergessen.

Keiner der 9 Stuttgarter hat die Teilnahme bereut. Wiederholungstäter wird es mit Sicherheit wieder geben, bei den Erfolgen der 6 Teams an denen wir beteiligt waren kommen da keine Zweifel auf.

Die 1. Frauenmannschaft auf Platz 2
Die 1. Seniorenmannschaft auf Platz 2
Die 2. Seniorenmannschaft auf Platz 3
Die 1. Männermannschaft auf Platz 16 und damit beste deutsche Mannschaft.

Auch die beiden anderen Teams haben sich wacker geschlagen und vordere Plätze belegt.


Verfasser: Bernd Gutöhrlein

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