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19.12.2011:
Unser Kontingent für Le Mans 2012 ist fast komplett ausgebucht, die Teilnahme ist deshalb nur noch auf Anfrage möglich
Reisebericht - Die 24 Stunden von Le Mans 2002 Drucken
Le Mans 2002 Nur 24 h dauert dieses legendäre Rennen, doch bereits seit 24 Monate gingen wir mit der Idee schwanger daran teilzunehmen. Und fast hätten wir dieses Vorhaben wieder um weitere 12 Monate verschoben, fanden doch zeitgleich die Hessentour und der St. Moritz Marathon statt. Doch die Neugier auf diese Herausforderung und die Möglichkeit mal etwas Verrücktes und Neues zu machen waren einfach zu stark, um ein weiteres Jahr aufgeschoben zu werden. Am 28 Juni 2002 war es dann soweit, aber schön der Reihe nach !

Als erstes galt es die Sprachbarriere zu überwinden, da die offizielle Seite www.24rollers.com für Nichtfranzosen wenig aufschlußreich ist. Tanja sei Dank konnte diese Hürde schnell überwunden werden und nachdem wir die anmeldungsrelevanten Daten vorliegen hatten galt es ein Team zu bilden. Das Team kann laut Veranstalter aus mindestens 5 und maximal 12 Mitstreitern bestehen.

Donnerstags der Grosseinkauf und schnell noch ein 20 Personen-Zelt organisiert. So ausgestattet konnten wir Freitag früh im Konvoi Richtung Westen aufbrechen. 840 Kilometer und viele Euro Autobahngebühren später lag sie rechts am Wegesrand - die berühmte Dunlopbrücke von Le Mans.

Beim Ausladen des Gepäcks und unserer Ausrüstung konnten wir uns des Eindrucks nicht erwehren, dass hier ein Riesenteam für eine kleine Ewigkeit anrückt ! Oder war es nur die sprichwörtliche Deutsche Gründlichkeit?!.

Nach superleckerer Pasta (mit Hühnchen in Senf-Sahne-Sosse - eine griechische Spezialität! ;-) stellte sich die nötige Bettschwere schnell ein. Irgendwie war das Zelt schon mit neun Personen rappelvoll. Wie in das Zelt eigentlich 20 Personen samt Gepäck passen sollten ist uns bis heute nicht klar geworden.

Samstag früh bei opulenten Frühstück inklusive heissem Kaffee wurden wir Zeugen einer französichen Version der Seifenoper „Gute Zeiten - Schlechten Zeiten". Es hieß: „auf die Plätze, fertig, los!" Es war ein mehr oder weniger geordnetes Durcheinander und Gedrängel um die besten Plätze. Witziger Weise entdeckten wir in dem geschäftigen Gewusel eine Reihe alter und neuer Skaterfreunde aus Paris, London, Barcelona und Mainz !!!

Unser Platz mit großem Zelt (wie berichtet für angeblich 20! Personen), Biertischen und -bänken, eigenem Wasseranschluss und kompletter Kücheneinrichtung ließ kurzzeitig ein schlechtes Gewissen aufkommen, aber nur KURZ.

Der Teamkapitän erledigten inzwischen die Anmeldung des Teams und gegen 11.00 Uhr führten unsere Freunde aus Paris die Teilnehmer zur Streckenerkundung mit anschließender Le Mans Stadtbesichtigung.

Wo sonst Rennwagen betankt und in Schuss gehalten werden, hielten Inbusschlüssel, Spraydosen mit WD 40 , nagelneue Rollen und sonstige Wundermittel Einzug.

Gegen 14.00 Uhr sollte es zum ersten Mal richtig ernst werden. Das Qualifying stand kurz bevor. Je ein Teilnehmer pro Team startete zur ersten schnellen Runde, um die spätere Startposition des Teamkapitäns zu ermitteln. Unser Startläufer sollte es eigentlich ruhig und locker angehen lassen. TNS gewohnheitsmäßig stand unser Mann natürlich in der ersten Reihe. Eingerahmt von Profikskatern im Rennoutfit, die bei gleicher Körpergröße 10-20 Kg weniger wiegen, fand er sich wieder.

Kurz nach dem Startschuss flogen die jungen Wilden gazellengleich den Anstieg zur Dunlop Brücke hoch, alle guten Vorsätze es langsam angehen zu lassen waren natürlich wie weggeblasen. Auf den ersten 4,435 km hieß es Schritt halten und nicht den Anschluss verlieren! Wenige Minuten später stand das Ergebnis fest: Startplatz 34 von über 400 Startern!- Mehr als nur der erste Achtungserfolg für das Team TNS - Frankfurt -

Bis zum Start um 16.00 Uhr erhielt die Renntaktik noch ihren letzten Schliff. Um 16.00 Uhr wurde es dann für die Teams und deren Kapitäne ernst. Das Rennen startete in der für Le Mans üblichen Manier. Die Startläufer stehen aufgereiht laut der Qualifikationszeiten auf der einen Fahrbahnseite. Ihnen gegenüber liegen dieInlineskates bereit, um in Windeseile angezogen zu werden. Spätestens als unser Teamcaptain, sein schwarzes Tape neben seine Skates legte, hätten wir wissen müssen das er nicht zu den schnellsten Startern gehören würde. Aber das Rennen ist ja lang genug um Plätze gutzumachen oder zu verlieren.

Die Spannung war regelrecht greifbar. Die zahlreichen Zuschauer und restlichen Skater aller Teams zählten gemeinsam auf rückwärs auf Null und los ging die Reise. Von nun an galt es ganze 24 Stunden immer einen Fahrer pro Team auf der Strecke zu haben und möglichst viele Runden (Kilometer) zu fahren. Die Mehrheit der Teams wechselte im Rundenrhythmus, hierzu musste man nach einer gefahrenen Runde in die Boxengasse einfahren und einen Schaumstoffstaffelstab (Staffel) an den nächsten -hoffentlich bereitstehenden- Skater übergeben.

Die Wechselzone war mit blauem Teppich und neun Stühlen versehen, einer für jedes Team. In schwarz gekleidete Schiedsrichter observierten 24 Stunden lang das kein Team beim Wechsel die Regeln bricht. Fliegende Wechsel wurden aus Sicherheitsgründen in der schmalen Boxengasse nicht erlaubt, so musste der Staffelwechsel direkt vor den jeweiligen Boxen erfolgen..

Da in unser Box unter anderen Teams auch das französische Rollerblade Team war, hatten wir 24 Stunden lang Gelegenheit zu sehen wie ein schneller Wechsel aussehen kann. Schnell lernte man dazu und im Nu waren wir in unser Box das zweitschnellste Team.

In jedem Team wurden die Rundenzeiten der Fahrer in Listen handschriftlich festgehalten. Dem TNS-Team war das mal wieder nicht professionell genug. Schnell war der Laptop aufgebaut und mittels Excel ein Spreadsheet aufgezogen das die Protokollierung der Rundenzeiten und den Überblick der jeweiligen Leistungen ermöglichte. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Müdigkeit war der PC zwar ein wenig „oversized" aber dennoch sehr praktisch ! Hätte es einen Sonderpreis für Organisation und Equipment gegeben - DEN hätten wir ganz bestimmt mit nach Hause gebracht.

Auf der Strecke hingegen gab es Begegnungen der unterschiedlichsten Art. Regelmäßig rauschte das im 4er Verbund fahrende Topteam an uns vorbei. Ebenso häufig fuhren wir wiederum in Höhe der Dunlop Brücke an viele Skatern vorbei die nicht wussten wie sie die bevorstehende Abfahrt heil überstehen sollten. Einer der gewählten Lösungsansätze war einfach den Hosenboden zu benutzen oder auf dem Grasnarbe neben der Rennstrecke vorsichtig herunterzustelzen.

Nachts war die Strecke gut ausgeleuchtet und der Betrieb ließ spürbar nach, einige Teams mussten wohl ihrer Müdigkeit Tribut zollen. Meistens waren auch Teammitglieder vor Ort die eigentlich Pause hatten, die Atmosphäre war einfach zu elektrisierend um sich ihr zu entziehen. Zum Sonnenaufgang mit frischgekochtem Kaffee und selbstgeschmierten Sandwiches komplettierte sich das Team wieder.

Die Veranstalter selbst waren gut organisiert und aktualisierten in kurzen Zeitintervallen die jeweiligen Ranglisten der Teams. Schnell wurde uns bewusst, dass eine Platzierung unter den Top 50 im Rahmen des Möglichen war. Bei allen olympischen Gedanken 'Dabei sein ist Alles' und dem Spassfaktor konnten wir diese Chance auf eine gute Plazierung nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Die Anzahl der zurückgelegten Runden der teilnehmenden Teams variierten von 12 Runden bis 192 Runden. Wir lagen am Ende mit 142 Runden auf dem respektablen 41 Platz. Das Team Rollerblade aus unserer „Boxen - WG" wurde mit 192 Runden und 7 Sekunden Zeitdifferenz zweiter hinter dem Team Salomon.

Der Belag ist kein schwarzes Eis, aber durchaus fahrbar und nach ein paar Runden kennt man seine Ideallinie. Bedingt durch die relativ kurzen aber hohen Belastungen, kombiniert mit wenig Schlaf hat dieses Rennen jeden einzelnen nahe an seine Leistungsgrenze gebracht - auch wenn die zurückgelegte Distanz von jeweils ca. 60-80 km nicht so viel erscheint.

Die sanitäre Versorgung vor Ort mit Toiletten und Duschen im Boxenbereich und auf dem Campingplatz muss lobend erwähnt werden. Die bei Skateveranstaltungen anwesenden Einzelhändler mit Schuhen, Rollen Bekleidung u.v.m. fehlen auch in Le Mans nicht. Der Unterschied ist das man über 24 Stunden Zeit zum Shoppen und vergleichen hat

Bei Abgabe der kostenlosen Leihchips bekommt jedes Teammitglied noch ein Finishershirt.

Wenn man die Leistungen des Veranstalters in Relation zum Startgeld setzt, fragt man sich wofür manche deutsche Veranstalter eigentlich 35-45 Euro verlangen??

Fazit: im Terminkalender vormerken Highlight!!!

Besonderer Dank geht an unser super Team:

Beate Hart
Gabi Buchmaier
Evelyn Lilje
Ralf Stolz
Matthias Lücke
Kai Allendorf
Friedel Henzler
Dirk May
Isaak Papadopoulos...

Für Zeitmessung, Sandwich schmieren, Zelt aufbauen, kochen und spülen, massieren, Wasser holen, Sachen tragen, mal einspringen beim fahren und überhaupt!!! Jeder von euch hat zum Gelingen dieses super Wochenendes beigetragen.

Autor: Dirk May 2003
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